Polen 2026

Freudig-wehmütiger Abschluss

Obwohl uns der Eintritt in das vierte Land unserer Tour nicht gerade leicht gemacht wurde – siehe den Bericht zu Litauen – bildete die Fahrt durch Masuren den (fast) perfekten Abschluss unserer Baltikum-Polen-Radreise. Eine wunderschöne, von einer Vielzahl teils geradezu romantischer Seen, weitzügigen Getreidefeldern, die sich über sanfte Hügel erstrecken, und kühlen Mischwald-Passagen geprägte Landschaft, die wir oft über uralte Baumalleen erschließen, immer wieder aufgemuntert durch freundliche Gesten von Autofahrern, Landarbeitern und Passanten – all das zusammen mit dem sonnig-warmen Wetter sorgt für andauernd gute Stimmung und Freude über unsere Unternehmung. Auch so mancher sorgsam gepflegte und idyllisch gelegene Campingplatz trägt zum Wohlbefinden bei. Die mitunter rauen Wellblech-Schotter-Pisten wissen dieses nicht zu mindern, sondern verstärken eher den Abenteuer-Charakter unserer Tour.

Masurische …
…Seenlandschaft
weite Getreidefelder …
… in sanfter Hügellandschaft
schattiger Mischwald …
… und alte Baumalleen
raue Schotterpisten …
…und unwegsame Pfade

In nahezu allen von uns durchfahrenen Orten des ehemaligen Ostpreußen spiegelt sich die wechselhafte Geschichte dieser nordostpolnischen Region wider, die durch litauische, russische, schwedische und deutsche Herrschaftssysteme und Kulturen beeinflusst und geprägt wurde. So begegnet man zum Beispiel mitunter noch alten Orts- oder Familiennamen sowie Inschriften deutschen Ursprungs. Umso erfreulicher ist, angesichts der besonders leidvollen Erfahrung mit dem brutalen Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen, die Freundlichkeit seiner Menschen, der wir immer wieder begegnen.

Dazu passt auch das auffällig rücksichts- und respektvolle Verhalten der Autofahrer uns Radlern wie auch Fußgängern gegenüber. Die in Deutschland oft erkennbare Aggressivität, insbesondere bei schwierigen Passagen, findet man hier nicht; das gilt im Übrigen auch in gleichem Maße für die drei baltischen Länder. Die schwächeren Verkehrsteilnehmer haben hier überall Priorität.

Kirchtürme …
… in Elbląg (Elbing)
in der Altstadt von Elbląg
Abendstimmung am Fluss Elbląg

Besonders auffällig ist der wirtschaftliche Aufschwung zu erkennen, der seit meinen ersten Reisen in dieser Region vor knapp zwanzig Jahren stattgefunden hat: eine deutlich verbesserte Infrastruktur, gepflegte Ortschaften, sorgfältig restaurierte historische Innenstädte und moderne touristische Einrichtungen, was allerdings mitunter auch exzessive Formen annimmt. So hat man in Mikołajki (Nikolaiken) oder an einzelnen Stellen der Ostseeküste eher den Eindruck eines großen Rummelplatzes. Und auch das ehemals wunderbare Naturschutzgebiet des Weichsel-Deltas mit der einst größten Wildschwanen-Population Europas ist durch Trockenlegung der totalen agrarwirtschaftlichen Nutzung geopfert worden.

Zugbrücke …
… im Weichseldelta
Fachwerkkirche in Marzęcino (Jungfer)
schattiger Küstenradweg
Trubel in …
… Mikołajki (Nikolaiken)
moderne Brücke in Mikołajki
am polnischen Ostseestrand

Unbeschreiblich schließlich die Eindrücke, die bei der Einfahrt in die Altstradt von Gdańsk (Danzig) auf uns einstürmen. Schon 2007, auf meiner Rückfahrt vom Nordkap aus Russland und den baltischen Staaten kommend, habe ich dieses Juwel ausführlich beschrieben. Hier als Zitat die immer noch zutreffende Schilderung:

Das Eintauchen in die Altstadt wird so zu einem unvergesslichen Erlebnis, das mir einmal mehr Tränen in die Augen treibt. … Heute also werde ich ein Teil des Heeres der Touristen, das die anläßlich der ‘St. Dominik-Wochen’ für 20 Tage mit Verkaufsständen mit dem üblichen Tand vollgepfropfte und von Musikern, Kleinkünstlern und Selbstdarstellern aller Gattungen heimgesuchte Altstadt durchzieht. Ich versuche, durch die Massen hindurchzuschauen und alle Schönheiten der hanseatischen Architektur, die sich hier auf engstem Raume zeigen, zu erfassen – ein fast hoffnungsloses, aber dennoch begeisterndes und faszinierendes Unterfangen:

  • die Lange Gasse mit dem Poseidon-Brunnen vor dem Renaissance-Rathaus und ihren wundervollen Fassaden der vielfach im holländischen Mannerismus-Stil gebauten Häuser;
  • die St.-Marien-Gasse, eine der pittoreskesten Gassen Europas, mit der mächtigen St.-Marien-Kirche, von deren Turm man einen herrlichen Ausblick auf die Altstadt, den Hafen und das Haff-Hinterland genießt;
  • das Lange Ufer mit dem wuchtigen mittelalterlichen, angeblich immer noch voll funktionsfähigen Holzkran – dem wohl markantesten Wahrzeichen von Danzig.

Da die damals gezeigten Fotos einem Hacker-Angriff zum Opfer fielen, hier nochmal einige Highlights:

das Lange Ufer
der Poseidon-Brunnen vor dem Rathaus
das Grüne Tor
das Langgassertor
Blick in die Lange Gasse
Blick durch das Langgassertor
in der St.-Marien-Gasse
Perspektive
Drehbrücke am Langen Ufer
Blick über die Altstadt
Abendstimmung am Langen Ufer

Mit Danzig war dann auch das Ziel unserer fünfwöchigen Radtour erreicht, eine Reise voll neuer Eindrücke für Astrid und schöner Erinnerungen an frühere wundervolle Entdeckungen für mich. Über das Abenteuer der sich anschließenden Rückfahrt mit der Deutschen Bahn werde ich mich hier nicht auslassen, dazu bräuchte es ein eigenes Kapitel; nur soviel dazu: die ursprünglich gebuchte 16-stündige Fahrt war schließlich erst nach 29 Stunden endlich abgeschlossen. Danke – Deutsche Bahn!

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